Egon und Jaffa

das waren zwei, die sich nie wirklich gut vertragen haben. Er ein temperamentvoller Hinterwälder Stier und sie eine feine spirituelle Vorderwälder Dame älteren Semesters…
Schon im vorletzten Winter hat Egon die arme Jaffa ziemlich verletzt, seitdem habe ich sie meist getrennt gehalten, was aber weidetechnisch oft schwierig war. Mit seiner letzten Attacke auf der Weide, trotz mehrfacher deutlicher Ermahnung von mir, hat Egon seinen Freifahrschein zum Schlachthof erworben. Es war wirklich kein Spaß mehr, obwohl er ein herzensguter Kerl war, aufs Wort gehorchte und immer auch noch etwas vom kleinem Bubi hatte… manchmal hatte er seine Aussetzer, dann wurde alles kurz und klein gemacht. Den Rücken konnte man ihm nicht mehr gefahrlos zukehren, schade Du feiner Kerl…

Ich hatte sehr gehofft, daß Jaffa jetzt wieder in der Hinterwälder Herde sich rasch erholt und vor allem wieder zusammen mit den anderen mehr frisst. Leider kam das Gegenteil, die letzten Wochen hat sie nur noch sehr wenig gegessen, immer mehr von der eigenen Substanz gelebt und rasch abgebaut. Jetzt war es soweit, kurz vor ihrem 19. Geburtstag, sie lag im Stall und konnte gar nicht mehr allein aufstehen. Nach einem aufwendigen Versuch sie aufzustellen ist sie wieder in sich zusammengesackt. Nein, leiden sollte sie nicht und sich auch nicht quälen, ich habe entschieden den Hoftierarzt zu holen und sie zu erlösen. Sie hatte ein wirklich langes, erfülltes und spannendes Leben.

Egon und Jaffa haben sich beide auf ihre Art große Verdienste erworben, um ihre Zukunft mache ich mir keine Sorgen…